Akkreditierung – Und jetzt?

Die Akkreditierung von Studiengängen ist ein integraler Bestandteil der Qualitätssicherung in der akademischen Bildung. Viele Universitäten und Studiengänge sind bereits akkreditiert, andere fangen gerade erst an. Zu oft sehen sich die zuständigen Stellen – wie auch die Studierendenschaften – damit überfordert, bzw. kennen die Abläufe und Hintergründe nicht genau genug, um alle Möglichkeiten und Chancen auf eine zukünftig bessere Lehre voll auszunutzen. Der folgende Text soll über die wichtigsten Eckpunkte Klarheit schaffen und als Leitfaden dienen.

Was ist die Akkreditierung?

Die Akkreditierung stellt ein Instrument der Qualitätssicherung dar. So wird gesichert, dass die Studiengänge an allen Standorten vergleichbare Mindeststandards in einer Vielzahl von Bereichen erfüllen, etwa in Bezug auf die inhaltliche Anrechenbarkeit von abgeschlossenen Modulen bei einem Hochschulwechsel. Grundlage der Akkreditierung ist die Bologna-Reform, die seit 2002 die Studiengänge innerhalb Europas vereinheitlichen und so die Freizügigkeit der Studierenden erhöhen soll. Dazu wurde ein Katalog von Kriterien entwickelt, deren Erfüllung die Grundlage für das Siegel der Akkreditierung ist.

In Deutschland wird die Akkreditierung über den Akkreditierungsrat (AR) und im ständigen Einvernehmen mit der Kultusministerkonferenz (KMK) durchgeführt. Der AR beauftragt dazu beispielsweise im Rahmen der Programmakkreditierung (s.u.) Agenturen, die sich jeweils auf bestimmte Fachgebiete spezialisiert haben, für die Naturwissenschaften ist die ASIIN eine wichtige Agentur. Für jedes Verfahren stellen die Agenturen ein Gutachtendenteam aus Professor*innen, Studierenden und Personen aus dem beruflichen Umfeld zusammen, die sich dann intensiv mit den Studiengängen auseinandersetzen.

Eine Akkreditierung fordert in jedem Fall von allen Beteiligten eine Menge Arbeit, Zeit und insbesondere von der Hochschule Geld. Dies sollte aber in keinem Fall davon abhalten, ein Akkreditierungsverfahren in Angriff zu nehmen. Zum einen ist das Akkreditieren von Studiengängen – auf kurz oder lang – gesetzlich vorgeschrieben, zum anderen bietet sie der Hochschule einen Prestigegewinn in Form des erworbenen Gütesiegels und den Studierenden die Gewissheit, eine staatlich geprüfte Ausbildung nach hohen Standards zu genießen. Des Weiteren stellen immer mehr Arbeitgebende bevorzugt Absolvent*innen akkreditierter Studiengänge ein.

Welche Formen der Akkreditierung gibt es?

In der aktuellen Ausprägung der Akkreditierung existieren zwei Unterarten, die Programm- und die Systemakkreditierung.

Ablauf einer Akkreditierung

Die untenstehende Grafik zeigt eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Schritte eines Akkreditierungsprozesses. Eine ausführliche Erklärung findet sich auf der Seite des Studentischen Akkreditierungspools:

Einfluss der Studierendenschaft:

Die Studierenden sind im Endeffekt diejenigen, die am stärksten von der Akkreditierung profitieren können. Allerdings besteht die Möglichkeit, dass im Rahmen der Akkreditierung wichtige Mängel übersehen werden, die sich anschließend nicht mehr so einfach beheben lassen wie während des Verfahrens. Deshalb sollte sich die Studierendenschaft eines Studienganges, der in naher Zukunft akkreditiert wird, ausgiebig darauf vorbereiten.

In der Regel hat man die Option, einen oder mehrere Vertreter*innen an der Selbsteinschätzung mitwirken zu lassen, oder sie zumindest vor dem Audit zu lesen. So kann man sich sicher sein, dass auch wirklich alles, was verbesserungswürdig erscheint, aufgegriffen werden kann, und sich der Bericht nicht in schöngeistigen Floskeln verliert.

Beim Audit selbst werden zuerst Gespräche mit den Dozierenden und Mitgliedern der Verwaltung geführt, häufig werden auch, insbesondere in der Chemie, die Labore besichtigt. Im Anschluss ist das Gespräch mit den Studierenden, das in aller Regel auch das längste ist. Im Idealfall wird vorab im Fachbereich bekannt gegeben, wann das Gespräch stattfinden soll, und um eine verbindliche Zusage gebeten, damit ein ausreichend großer Raum reserviert werden kann, meist wird es aber der Fachschaft überlassen, die Kandidaten auszuwählen. Hier sollte man darauf achten, dass alle Gruppen möglichst gleichmäßig verteilt sind, nicht nur in Bezug auf die Geschlechtergerechtigkeit, sondern auch jüngere und ältere Semester, sowie ein möglichst breites Spektrum an Hintergründen und Leistungsklassen. Beispielsweise kann es sehr bereichernd sein, wenn an diesem Gespräch jemand teilnimmt, der nicht direkt nach dem Abitur sein Studium angefangen hat, sondern durch eine vorherige Ausbildung seine Zugangsberechtigung erhalten, und dementsprechend einen anderen Blick auf die Situation hat. In Einzelfällen kann es vorkommen, dass die Studierenden, die zu diesem Gespräch eingeladen werden, handverlesen sind, was nicht Sinn der Sache ist. Hier lohnt es sich, Beschwerde einzureichen, oder aber die Gutachtenden darauf hinzuweisen.

Regeln für die Akkreditierung von Studiengängen & wichtige Prüfaspekte

Die Akkreditierung unterliegt einer Vielzahl von Regelungen, Anforderungen und Vorgaben. Dazu zählen zum Beispiel die Qualifikationsziele des Studienganges, sowie dessen Studierbarkeit und Transparenz, aber auch Strukturvorgaben wie die Modularisierung und das ECTS-System. Der Studentische Akkreditierungspool hat dazu auf seiner Website eine Auflistung dieser Kriterien zusammengestellt.

Wichtige Instanzen 

Im studentischen Akkreditierungspool sind alle Studierende, die die Qualifikation erhalten haben, an Akkreditierungsverfahren als Begutachtende mitzuwirken, organisiert. Er wird vom fzs e.V., den 16 Landesstudierendenvertretungen und allen Bundesfachschaftentagungen in Deutschland getragen. Der Pool bietet zudem die Ausbildung der studentischen Gutachtenden an.

Der Akkreditierungsrat bildet das höchste für Akkreditierungen zuständige Gremium in Deutschland. Er wird über die Stiftung Akkreditierungsrat durch alle Bundesländer getragen und steht im ständigen Austausch mit der Kultusministerkonferenz.

Die für die Chemie und chemienahen Fächer zuständige Akkreditierungsagentur ist die ASIIN, die sich zudem auch mit mathematischen, ingenieur- und (anderen) naturwissenschaftlichen Studiengängen befasst.