Protokoll des Arbeitskreises

"Studienreform"


Der diesjährige Arbeitskreis Studienreformen sah sich gleich zwei Problemen gegenüber: der HRG-Novelle und dem Würzburger Modell. Über beide haben wir ausgiebig diskutiert und sind zu folgenden Ergebnissen gekommen:

1. HRG

Im neuen Entwurf des HRG wird abermals kein Verbot von Studiengebühren aufgestellt. Die Möglichkeit zu studieren ist also nicht für alle gegeben, im Gegenteil: sie ist der Willkür der Länder überlassen. Am Beispiel Baden-Württemberg und Berlin wird offensichtlich, welche Mißstände sich daraus ergeben können. Die BuFaTa hat sich deswegen nachdrücklich für ein Verbot von Studiengebühren ausgesprochen und zu diesem Thema eine Resolution verfaßt.
Ein weiterer wichtiger Punkt im neuen HRG ist die Möglichkeit, die Hochschulen zu privatisieren. Diese birgt die Gefahr, daß sich elitäre Privatuniversitäten mit hohen Studiengebühren bilden, an denen nur ausgewählte StudentInnen studieren können, während der Großteil mit schlecht ausgestatteten staatlichen Hochschulen vorlieb nehmen muß (Bsp. USA).
Dazu kommt, daß eine einseitige Ausrichtung der Unis auf die Wirtschaft zu befürchten ist, und daß so die Freiheit von Forschung und Lehre nicht gewährleistet ist. Aus diesem Grund sprach sich der AK gegen eine Privatisierungsmöglichkeit der Unis aus.
Die Forderung nach der Einführung von Bachelor- und Master-Abschlüssen wurden ebenfalls abgelehnt, da vor allem der Bachelor keine Vorteile, wohl aber eine Menge Nachteile mit sich bringt. Einer davon ist die Abwertung des FH-Abschlusses, der mit dem Bachelor vergleichbar ist.
Ein weiterer ergibt sich aus der Tatsache, daß der Bachelor den ersten "berufsqualifizierenden Abschluß" darstellen würde. Nach einem solchen muß aber kein BaföG mehr gezahlt werden, sprich auch für alle Diplom- oder MagisterstudentInnen gibt es schon nach dem sechsten Semester kein Geld mehr.
Eine weitere Neuerung soll die Einführung von Zwangsexmatrikulationen, ggf. nach erfolgter Zwangsberatung, sein. Auch hier lautete der Konsens des AKs: Wir sind dagegen!
Die in der HRG-Novelle geforderte leistungsorientierte Finanzierung der Hochschulen wurde ebenfalls abgelehnt, da sie einer unabhängigen Forschung und Lehre widerspricht.


2. Das Würzburger Modell

Auch in diesem Semester war das Würzburger Modell wieder ein aktuelles Problem, mit dem sich ein Arbeitskreis der BuFaTa beschäftigt hat. Im Vordergrund standen der Vorschlag, ein europäisches Kreditpunktsystem (ECTS) einzuführen, die Möglichkeit, in Deutschland die angelsächsischen Abschlüsse Bachelor und Master zu übernehmen, sowie die Frage, wie das sechsemestrige Basisstudium mit Inhalten zu füllen sei.
Unter der Voraussetzung, daß im Basisstudium die gesamten Grundlagen der Chemie für die Spezialisierungsrichtungen des Haupstudiums gelegt werden müssen, hat sich die Studienreformkommission der GDCh mit der Erstellung eines Lehrinhaltskatalogs beschäftigt. Insgesamt kann ein solcher Katalog eine sinnvolle Hilfe bei der Planung an den verschiedenen Hochschulen darstellen.
So kam der Arbeitskreis Studienreform nach einer erfreulich zügigen Diskussion zu dem Ergebnis, daß ein solcher Lehrinhaltskatalog durchaus sinnvoll ist. Dies gilt unter der Voraussetzung, daß er allgemein gehalten wird und einen empfehlenden Charakter besitzt. Er darf den einzelnen Hochschulen aber auf keinen Fall vorschreiben, welche Fächer genau sie in welchem Umfang anzubieten haben, da sonst das individuelle Profil der jeweiligen Uni verlorengeht.
Die Motivation für den Vorschlag, ein eurpäisches Kreditpunktsystem einzuführen, war die Tatsache, daß im Vergleich zur Anzahl der im Ausland studierenden Deutschen nur sehr wenige AusländerInnen an deutschen Hochschulen studieren. Das Prinzip des ECTS ist es, je nach SWS-Zahl, Arbeitsaufwand (sprich Vor- und Nachbereitungszeit) einer Veranstaltung und Schwierigkeitsgrad eine bestimmte Anzahl von Kreditpunkten festzulegen.
Diese sollen dann sowohl innerhalb Deutschlands, als auch im Ausland an jeder beliebigen Universität anerkannt werden. Die BuFaTa ist sich einig, daß die Einführung von Kreditpunkten als äußerst begrüßenswert anzusehen ist. Allerdings sollten diese zunächst nur als Zweitwährung eingesetzt werden, bis sich das System etabliert hat.
Es stellt sich allerdings die Frage, wie diese Credit Points erworben werden sollen. Aus einer ausführlichen Diskussion entstand der Vorschlag, als Leistungsüberprüfung nicht nur Klausuren und mündliche Prüfungen, sondern auch Referate, Projektarbeiten, Hausarbeiten oder ähnliches zuzulassen.
Darüberhinaus sollte es in das Ermessen der Hochschulen gestellt werden, bei einigen Veranstaltungen Kreditpunkte für Anwesenheit zu vergeben. Diese ist dann allerdings durch Anwesenheitslisten oder ähnliches zu überprüfen.
Desweiteren kam die Frage auf, ob Vordiplom und Diplom als abschließende Prüfungen beibehalten werden sollen. Hier gingen die Meinungen zuerst deutlich auseinander. Als Hauptkritikpunkte kristallisierten sich eine weitere Zunahme an Prüfungsstreß gegen Diplom und Vordiplom und die Gefahr, keine abschließende Leitstungskontrolle zu ermöglichen, heraus.
Besonders, wenn mensch berücksichtigt, daß die "Heimatuni" bescheinigen muß, daß der Titel DiplomchemikerIn gerechtfertigt ist, auch wenn der jeweilige Studi vielleicht mehrere Semester an einer anderen Hoschschule studiert hat.
Als Konsens konnte festgehalten werden, daß sich der Arbeitskreis generell für die Beibehaltung von Vordiplom und Diplom ausspricht. Es wird jedoch dringend empfohlen, zumindest das Vordiplom studienbegleitend anzubieten.
Darüberhinaus wird die Vermeidung von Doppelprüfungen gefordert.
Ein weiteres Problem besteht in der Forderung der GDCh-Kommission, auch in Deutschland den Bachelor und Master durchzusetzen. Daraus ergeben sich unserer Meinung nach viele Gefahren und Probleme, die auch schon in der Diskussion über die HRG-Novelle zur Sprache kamen.
Fazit: Auch wenn erhebliche begründete Einwände gegen die formalen Änderungen bestehen, die im Würzburger Modell gefordert werden, sollte mensch nicht vergessen, daß sich hier seit langem die erste Möglichkeit bietet, eine grundlegende Studienreform durchzuführen. Es kann deshalb nicht im Interesse der Studierenden liegen, dieses grundsätzlich abzulehnen.
Vielmehr besteht unsere Aufgabe darin, gegen offensichtliche Mängel dieses Modells anzugehen, zumal auch viele Mitglieder der GDCh-Kommission arge Bedenken gegenüber der Würzburger Denkschrift äußern.