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3. 1933 - 1939: Die I.G. Farben und der NS-Staat

3.2 Die Beziehungen der I.G. zur NSDAP

3.2.1 Wahlspenden, damit es die letzte Wahl werden sollte

Die Weltwirtschaftskrise und der Ölpreisverfall konnten Bosch nicht von seinem Kohlehydrierungsprojekt abbringen. Im Direktorium der I.G. gab es jedoch eine Gruppe, die anderer Meinung als Bosch war. Man erklärte ihm, dass Leuna sofort geschlossen werden müsse und dass das Projekt eine unverantwortliche Belastung für die I.G. sei, die bereits unter den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise litt. Obwohl man bis 1930 bereits 300 Millionen Reichsmark in das Projekt gesteckt hatte, war das Verfahren immer noch nicht wirtschaftlich nutzbar. Zwar erhielten Bosch und Bergius im Herbst 1931 den Nobelpreis für Chemie "in Anerkennung ihrer Beiträge zur Erforschung und Entwicklung von Methoden der Hochdruckchemie", der Preis des synthetischen Benzins lag aber immer noch bei 40 und 50 Pfennig pro Liter, während Benzin aus Rohöl nur 7 Pfennig kostete. Ohne staatliche Subventionierung war es nicht möglich, Öl aus Kohle gewinnbringend herzustellen.[85]

Als 1931 Hitlers Angriffe gegen Konzerne mit hoher jüdischer Beteiligung wuchsen, wurde die I.G. zu einem bevorzugten Ziel der Nazis. Die Firmenleitung reagierte bestürzt auf alle Angriffe dieser Art und versuchte über Heinrich Gattineau, den Pressereferenten Carl Duisbergs, der SA-Standartenführer war und über ausgezeichnete Verbindungen zu den Nazis verfügte, eine Einstellung der Angriffe zu erreichen. Gattineau hatte Erfolg und wurde von Carl Bosch in das für Nazikontakte strategisch günstiger gelegene Pressezentrum der I.G. in Berlin geschickt[85].
Nun hielt Bosch auch "die Zeit für gekommen, Verbindung mit Hitler aufzunehmen und dessen Engagement für das Ölsyntheseprojekt (...) zu erkunden - man wollte wissen wie man dran war, sollte Hitler Kanzler werden."[86] Bei den Reichstagswahlen im Juli 1932 gewann die NSDAP 230 von 608 Mandaten und wurde stärkste Partei Deutschlands. Als die Regierung Papen gestürzt wurde, löste Hindenburg den Reichstag auf und setzte für den 6. November 1932 Neuwahlen an. Bosch schickte Gattineau und Bütefisch, der seit 1920 Mitarbeiter in der BASF, anerkannter Experte auf dem Gebiet der Hochdruckchemie und verantwortlicher technischer Leiter der Leuna-Werke war[87], zu Hitler, der mit ihnen lange angeregt über die Kohlehydrierung diskutierte. Während des Gesprächs entwickelt Hitler einen Plan, der Deutschlands Unabhängigkeit von Ölimporten herbeiführen sollte und den er mit Hilfe der I.G. ausführen wollte. Hitler versicherte den I.G.-Vertretern dafür volle politische und finanzielle Unterstützung.[88]
Als einige Tage später die NSDAP bei den Neuwahlen 34 Sitze verlor, kamen die deutschen Industriellen Hitler zu Hilfe. 38 Vertreter der Industrie bezogen öffentlich Stellung für Hitler, unter ihnen Schacht und von Schröder aus dem Bankwesen, Cuno vom norddeutschen Lloyd, Krupp, Vögler und Thyssen aus der Stahlindustrie, Siemens und Robert Bosch aus der Elektroindustrie. Die I.G. beteiligte sich noch nicht. Bosch war noch nicht bereit öffentlich Stellung zu nehmen.[89]
Reichspräsident Hindenburg zeigte sich unbeeindruckt von dieser Demonstration und beauftragte Kurt von Schleicher mit der Regierungsbildung. Schleicher gelang es jedoch nicht, eine stabile Regierung zu bilden, so dass Hindenburg schließlich am 30. Januar 1933 Hitler zum Kanzler ernannte. Schon auf den 5. März waren die nächsten Wahlen angesetzt.

Am 20. Februar bestellte der frühere Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht, der zu den aktivsten Helfern Hitlers aus der Industrie und Hochfinanz gehörte, die führenden deutschen Industriellen und Finanziers zu einem geheimen Treffen in das Haus von Hermann Göring. Diesmal war die I.G. dabei. Schacht erbat Spenden in Höhe von insgesamt 3 Millionen Reichsmark, um damit Hitlers Wahlkampf zu unterstützen. Hitler informierte dabei persönlich über eine bevorstehende Koalition von NSDAP und DNVP, und betonte, daß beide Parteien die Mehrheit in der kommenden Reichstagswahl erzielen müssten.[90] Georg von Schnitzler, der auf Boschs Anweisung dabei war, versprach im Namen der I.G. 400.000 RM, die bei weitem größte Einzelspende[91], "damit es die letzte Wahl werden sollte".[92]
Bei den Wahlen am 5. März waren die Nazis prompt wieder erfolgreicher. Sie verbuchten einen Stimmenzuwachs von 5,5 Millionen WählerInnen - ausreichend, um Hitler als Kanzler einer Koalitionsregierung zu belassen.

3.2.2 Die zustimmende Aufnahme faschistischer Politik in der I.G. und der Benzinpakt

Genau einen Monat nach dem Treffen der Industriellen wurde am 20. März 1933 in Dachau das erste Konzentrationslager errichtet. Carl Bosch begrüßte solche Einrichtungen, da in den diversen Arbeitslagern die "verkommene Arbeitslosenjugend" zu "fröhlichen Menschen, die auf ihre Arbeit stolz sind" erzogen würde.[93]
Innerhalb weniger Wochen änderten sich die Verhältnisse in Deutschland radikal. Der Machtergreifungsprozess der Nationalsozialisten erhielt durch das verfassungsändernde Ermächtigungsgesetz eine formale Legalisierung und der schon entbrannte Kampf gegen Kommunisten, Gewerkschaften und Sozialdemokraten weitete sich noch rapider aus. Dass diese Politik mehrheitlich von den I.G. Farben unterstützt wurde, geht auch aus einem Schriftstück der BAYER Pharma-Abteilung 1933 an ihre US-Tochterfirma Winthorp Chemical Corp. New York hervor. In diesem Schriftstück "sollte den Auslandsvertretungen ein Überblick über die wirtschaftliche und politische Lage Deutschlands, wie sie sich im gegenwärtigen Zeitpunkt bietet" gegeben werden.[94]

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Die richtigen Fahnen in der Werkszeitung
(O.M.G.U.S.: Ermittlungen gegen die I.G. Farben – Hrsg. Hans Magnus Enzensberger; Verlag Franz Greno, Nördlingen 1986 (Sonderband der Anderen Bibliothek); ISBN 3-891-900-198.)
"(...) Das alte parlamentarische System hatte im Wettlauf der politischen Ideen den Atem verloren und mußte dem Gedanken des politischen Führertums Platz machen.(...)Deutschland ein Spielball in den Händen der Versailler Vertragspartner. (...) Aber ohne Zögern und mit größter Energie ging die Regierung ans Werk. Innerhalb weniger Monate wurden die Verhältnisse grundlegend umgestaltet. Im Inneren gab der Reichstagsbrand das Signal zum Kampf gegen Kommunisten und Marxisten, die drauf und dran waren, im bewaffneten Aufstand Deutschland aufs neue an den Rand des Abgrundes zu bringen. Mit eiserner Faust wurde durchgegriffen und das Land gereinigt. Das Volk bekam Ruhe.
(...) Im ganzen gesehen hat seit dem Beginn der nationalsozialistischen Revolution die geistige und wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands einen starken Aufschwung genommen. (...)
Das Dritte Reich hat sich unter der Führung Adolf Hitlers binnen kürzester Zeit konsolidiert. Es ist aus der Welt nicht mehr fortzudenken; alle Boykott- und Greuelhetze wird auf die Dauer an der friedlichen Gesinnung des deutschen Volkes zerschellen.
Das deutsche Volk hat nach jahrelangem Irrweg den Glauben an sich selbst wiedergefunden. Eine neue Periode deutscher Geschichte hat begonnen und mit ihr ein neuer geistiger und wirtschaftlicher Aufstieg, dessen erste Anzeichen wir soeben erleben.
"[95]

Die I.G. befand sich auf dem besten Wege zu guten Beziehungen unter dem neuen Regime. Sie verknüpfte ihre Aktivitäten eng mit denen der NSDAP und deren Hilfsorganisationen. Gleichzeitig gab es eine enge und ausdauernde Zusammenarbeit mit dem Oberkommando der Wehrmacht, mit dessen Wirtschafts-, Spionage- und Spionageabwehrabteilung.[96] Die gesamte wirtschaftliche, finanzielle und personelle Macht des so perfekt organisierten Konzernapparates wurde dabei zur Interessenvertretung eingesetzt.[97]
Hermann Schmitz wurde zum Ehrenabgeordneten der NSDAP im Reichstag ernannt, wodurch seine Unterstützung der Ziele Hitlers unterstrichen wurde. Schnitzler eröffnete in Berlin einen Salon, in dem ausländische Industrielle und Politiker die Möglichkeit hatten, sich mit hochgestellten Nationalsozialisten zu treffen. Boschs junger Schützling Heinrich Bütefisch wurde Sturmbannführer der SS und vertrat die I.G. im 'Freundeskreis Heinrich Himmler', in dem sich Exponenten der größten deutschen Industriekonzerne versammelt hatten.[98]
Natürlich ließ die I.G. der NSDAP und ihren Organisationen auch umfangreiche finanzielle Unterstützung zukommen. Beträge über 2.000 RM konnten dabei nur nach Rücksprache mit Bosch oder Schmitz angewiesen werden.[99] Vor allem durch ihre Beteiligung an der von den Industriebranchen eingerichteten 'Adolf-Hitler-Spende der deutschen Wirtschaft' leistete die I.G. einen sehr hohen Finanzierungsbeitrag. Ihr Spendenbetrag - 5‰ ihrer Jahreslohn- und Gehaltssumme - belief sich im ersten Jahr 1933/34 auf 924.142 Reichsmark.[100] Diese bis Kriegsende bestehende jährliche Finanzierung der NSDAP wurde nach einer Vereinbarung zwischen der Reichsleitung der NSDAP und dem Beauftragten der deutschen Wirtschaft durchgeführt.[101] Aufgrund der positiven Wirtschaftsentwicklung für die deutsche Industrie darf angenommen werden, dass sich der oben angegebene Betrag der I.G. Farben-Spende in den folgenden Jahren weiter erhöht hat. Darüber hinaus wurden von der I.G. weitere größere Spendenleistungen für eine ihren Interessen entgegenkommende Politik vorgenommen. Gelder flossen an die Machthaber, wenn die politische Entwicklung z. B. eine günstige Ausgangsbasis zur Expansion in Aussicht stellte[102] - wie etwa nach der Annexion des Sudetengebietes.[103]

Die Beziehungen zur militärischen Führung wurden sorgfältig gepflegt. Schon seit einiger Zeit hatte Max Ilgner (der Neffe von Hermann Schmitz), der als Leiter der Zentralfinanzverwaltung der I.G. Farben in Berlin NW7 ein wichtiger Mann für den Konzern war, als Verbindungsmann zum Heereswaffenamt fungiert. Ilgner gehörte einem Wirtschaftskreis um den Leiter des statistischen Reichsamtes Prof. Ernst Wagemann an. Von diesem 'Wagemannkreis' ging eine Fühlungnahme mit Funk, dem Wirtschaftsberater der NSDAP, aus, wobei der Kreis neben mehr Informationen über das wirtschaftspolitische Programm der NSDAP vor allem wissen wollte, wie sich die NSDAP zu Reformvorschlägen seinerseits stellen würde. Diese Kontaktaufnahmen wurden schon lange vollzogen, bevor die NSDAP mit der Regierungsbildung beauftragt wurde.[104] Über Ilgner wurde die I.G. unter anderem auch von Juni 1933 an am geheimen Aufbau der illegalen Luftwaffe des Dritten Reiches, einer direkten Verletzung des Versailler Vertrages, beteiligt.[105]

Mitte 1933 erhielt Carl Krauch einen Besuch von General Erhard Milch. Milch war Staatssekretär im Luftfahrtministerium und galt als Görings rechte Hand. Er erbat von Krauch einen genauen Bericht über Deutschlands Produktionskapazität für Mineralöle. Am 15. September 1933 überreichte Krauch seine Untersuchungsergebnisse über die deutsche Treibstoffwirtschaft. Er entwickelte einen Vier-Jahres-Plan zur Ausweitung der Produktion einheimischer Treibstoffe, der die dreieinhalbfache Steigerung der Treibstoffherstellung aus inländischen Rohstoffen vorsah. Das Hydrierverfahren der I.G. nahm in Krauchs Plan eine zentrale Stellung ein. Milch und die Offiziere des Luftfahrtministeriums stimmten diesem Plan zu und schlugen ein "gemeinsames energisches Vorgehen" vor.[106]
Nur die I.G. konnte Hitler die Unabhängigkeit von Öllieferungen verschaffen. So wurde am 14 Dezember 1933 der von Hitler persönlich befürwortete Vertrag von Bosch und Schmitz im Namen der I.G. auf der einen und Vertretern des Dritten Reiches auf der anderen Seite unterzeichnet. Danach sollte die I.G. ihre Anlagen in Leuna so ausbauen, dass bis Ende 1937 eine Kapazität von 300-350.000 t Öl jährlich erreicht würde. Als Gegenleistung versprach das Reich einen Garantiepreis, der den Produktionskosten entsprach und dazu eine 5%-ige Rendite garantierte. Großzügige Abschreibungsvereinbarung und die Garantie für den Verkauf allen Öls, das die I.G. nicht selbst verkaufen konnte, rundeten den 'Benzin-Vertrag' ab.[107] Es war nur noch eine Frage der Zeit, wann die I.G. Deutschlands vollständige, militärisch und politisch so wichtige Unabhängigkeit garantieren konnte. "Die I.G. brauchte sich nicht mehr um die Finanzierung des Projekts und Hitler erst im Mai 1944, als die US-Luftwaffe die Leuna-Werke zerstörte, um den Ölnachschub zu sorgen."[108]

Ende 1933 traten Vertreter des Heereswaffenamtes und des Reichswirtschaftsministeriums an die I.G. heran, um sie zu einer Wiederaufnahme des Buna-Projektes zu bewegen. Für Hitler war Buna von militärischer und propagandistischer Bedeutung, so dass er Erfolge der I.G. nicht abwarten wollte. Auf dem 7. Reichsparteitag in Nürnberg am 11. September 1935 verkündete er, man könne das Problem der Kunstkautschukherstellung als endgültig gelöst ansehen und die erste Fabrik zu diesem Zweck werde sofort gebaut.[109]
Die I.G. hatte die Ermunterung die sie brauchte. Bosch entschied sich zum Bau einer weitläufigen Buna-Fabrik in Schkopau nahe Leuna und schon bald wurden die Bauarbeiten aufgenommen.

3.2.3 Personelle Veränderungen und 'Nazifizierung' der I.G.

Fritz Haber, der Jude war, wurde trotz heftiger Proteste des I.G.-Vorstandes von den Nazis gezwungen, seinen Lehrstuhl an der Berliner Universität aufzugeben. Er verließ Deutschland und starb im Januar 1934 in Basel.[110]

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Betriebsappell in einem I.G:-Werk 1938
(O.M.G.U.S.: Ermittlungen gegen die I.G. Farben – Hrsg. Hans Magnus Enzensberger; Verlag Franz Greno, Nördlingen 1986 (Sonderband der Anderen Bibliothek); ISBN 3-891-900-198.)
Carl Duisberg starb am 19 März 1935 "als einer der ersten Pioniere der deutschen Chemie, ein erfolgreicher Führer und einer der großen Organisatoren der deutschen Wirtschaft" wie Hitler in seinem Telegramm an Duisbergs Witwe schrieb.[111]
Das Jahr 1937 brachte eine weitere entscheidende Veränderung des Charakters der I.G. Die Mitgliedschaft in der NSDAP wurde energisch angeraten und fast alle Direktoren, die nicht bereits wie Hermann Schmitz, Heinrich Hörlein, Wilhelm Mann, Fritz Gajewski und Hans Kühne Mitglieder waren, traten in die Partei ein. Zu diesen gehörten Carl Krauch, Fritz ter Meer, Georg von Schnitzler, Max Ilgner, Otto Ambros, Friedrich Jähne, Christian Schneider, Karl Wurster, Carl Lautenschläger und Ernst Bürgin. Bezeichnenderweise wurden in diesem Jahr auch alle jüdischen Direktoren entfernt: Carl von Weinberg, Arthur von Weinberg, Otto von Mendelssohn-Bartholdy, Richard Merton, Ernst von Simson, Alfred Merton, Wilhelm Pelzer und Gustav Schlieper. Ein Drittel des gesamten Aufsichtsrates wurde seiner Aufgaben enthoben - und einige von ihnen starben später erbärmlich in Ghettos oder KZs.[112]

3.2.4 Spionage und Kriegsvorbereitungen

Im gleichen Jahr bat das Luftfahrtministerium Carl Krauch um die Unterstützung in einer wichtigen Angelegenheit: Die Luftwaffe besaß keine ausreichenden Bleitetraethyl-Vorräte für den Fall, dass Hitlers geplanter Überfall auf die Tschechoslowakei in einen Krieg ausufern sollte.
Die I.G. bot der Standard-Oil eine Partnerschaft zum Bau von Fabrikationsanlagen in Deutschland an. Die Ethyl-Export-Corporation, einer Tochterfirma der Standard-Oil, und die I.G. schlossen ein Abkommen über die Gründung eines gemeinsamen Unternehmens. Die so entstandene 'Ethyl GmbH' sollte die deutschen Bleitetraethyl-Anlagen bauen und betreiben. Die Naziregierung unterstützte die I.G. in der Ausnutzung ihrer Beziehungen zur Standard-Oil, um technisches Wissen und andere Vorteile zu erlangen, achtete aber gleichzeitig aufs strengste darauf, dass dieser Informationsaustausch nur in einer Richtung erfolgte.[113] Da diese Anlagen nicht vor Ende 1939 hätten fertiggestellt werden können, bat das Luftfahrtministerium, das von den Beziehungen der I.G. zur Standard-Oil wusste, um die Beschaffung von 500 t des so dringend benötigten Treibstoffzusatzes aus US-amerikanischen Beständen. Krauch und Schmitz verhandelten daraufhin mit der Ethyl-Export-Corporation, woraufhin noch innerhalb eines Monats mit den Lieferungen begonnen wurde. Die letzte Teillieferung traf denn auch noch rechtzeitig vor Hitlers geplanten Invasionstermin ein.[114]

Im August 1939 wurde offensichtlich, dass ein Krieg in Europa nicht mehr zu vermeiden war. Sollte der Krieg auch zu einem Konflikt zwischen dem Deutschen Reich und den Vereinigten Staaten führen, mussten Standard-Oil und die I.G. mit ernsthaften Konsequenzen, nämlich der Beschlagnahmung ihrer gemeinsamen Unternehmen und Anteile, rechnen. So wurden Anteile und Patente so verteilt, dass die deutschen Interessen nicht gefährdet werden konnten.
Standard-Oil erhielt die USA und die alliierten Länder, die I.G. den Rest der Welt als Absatzmärkte. Die I.G. hatte die Option, die Beziehungen jederzeit wieder so herzustellen, wie sie vor Kriegsbeginn bestanden hatten.[115]
Es handelte sich folglich um Maßnahmen zur Tarnung der I.G.-Beteiligungen für die Dauer des Krieges. Bei den Patenten wurde so verfahren, dass die I.G. die Abkommen zur Patentüberschreibung zwar bestätigte, die technischen Informationen aber so lange nicht zur Verfügung stellte, bis die offiziellen Geschäftsverbindungen 1942 von Staats wegen abgebrochen werden mussten. Ähnlich verfuhr die I.G. mit anderen ausländischen Beteiligungen und Geschäftspartnern.[116]

Die Standard-Oil-Company, die 1972 in Exxon-Corporation umbenannt wurde und in Deutschland unter dem Namen ihrer Tochtergesellschaft ESSO AG arbeitet, ist heute der größte Mineralölkonzern der Welt.[117]


[84] Borkin, Joseph: Die unheilige Allianz der I.G. Farben; eine Interessengemeinschaft im Dritten Reich – Campus Verlag: Frankfurt/Main, New York 1979, 1990 (Bd. 1030); S. 55.
[85] Borkin, Joseph: Die unheilige Allianz der I.G. Farben; eine Interessengemeinschaft im Dritten Reich – Campus Verlag: Frankfurt/Main, New York 1979, 1990 (Bd. 1030); S. 56.
[86] Borkin, Joseph: Die unheilige Allianz der I.G. Farben; eine Interessengemeinschaft im Dritten Reich – Campus Verlag: Frankfurt/Main, New York 1979, 1990 (Bd. 1030); S. 57.
[87] Tammen, Helmuth: Die I.G. Farbenindustrie Aktiengesellschaft (1925-1933); ein Chemiekonzern in der Weimarer Republik – Helmuth Tammen: Berlin 1978; S.283 und Schneckenburger, Arthur: Die Geschichte des I.G. Farben-Konzerns; Bedeutung und Rolle eines Großunternehmens – Pahl-Rugenstein: Köln 1988; ISBN 3-7609-5242-9; S.58.
[88] Zeugenaussage H.Bütefisch bei den Nürnberger Prozessen NI8637, S. 15 — zitiert nach Borkin, Joseph: Die unheilige Allianz der I.G. Farben; eine Interessengemeinschaft im Dritten Reich – Campus Verlag: Frankfurt/Main, New York 1979, 1990 (Bd. 1030); S. 57.
[89] Borkin, Joseph: Die unheilige Allianz der I.G. Farben; eine Interessengemeinschaft im Dritten Reich – Campus Verlag: Frankfurt/Main, New York 1979, 1990 (Bd. 1030); S. 57.
[90] Eidesstattliche Erklärung Georg von Schnitzler vom 10.11.1945, HAB335, 10, Nr.173, Beweis-Dokument EC-439 — zitiert nach Schneckenburger, Arthur: Die Geschichte des I.G. Farben-Konzerns; Bedeutung und Rolle eines Großunternehmens – Pahl-Rugenstein: Köln 1988; ISBN 3-7609-5242-9; S.60.
[91] Borkin, Joseph: Die unheilige Allianz der I.G. Farben; eine Interessengemeinschaft im Dritten Reich – Campus Verlag: Frankfurt/Main, New York 1979, 1990 (Bd. 1030); S. 58.
[92] Köhler, Otto: ... und heute die ganze Welt; Die Geschichte der I.G. Farben und ihrer Väter – Rasch und Röhrig Verlag: Hamburg, Zürich 1986; ISBN 3-89438-010-1; S. 221.
[93]Köhler, Otto: ... und heute die ganze Welt; Die Geschichte der I.G. Farben und ihrer Väter – Rasch und Röhrig Verlag: Hamburg, Zürich 1986; ISBN 3-89438-010-1; S. 222.
[94] vgl. NI-10267, "Bayer Meister Lucius" Pharmazeutische Abteilung I.G.; Direktion an die Geschäftsleitung der Winthorp Chemical Corp., New York und an die Geschäftsleitung des Bayer Co. Export Department, New York vom 14.12.1933, gezeichnet: Mann (Wilhelm Rudolf Mann, hochdekorierter Kriegsveteran und Sohn eines Gründers der I.G.Farben, war Verkaufsleiter bei Bayer und stellvertretendes Mitglied des I.G.Farben-Vorstandes) — zitiert nach Schneckenburger, Arthur: Die Geschichte des I.G. Farben-Konzerns; Bedeutung und Rolle eines Großunternehmens – Pahl-Rugenstein: Köln 1988; ISBN 3-7609-5242-9; S.62, 151. — vgl. auch Tammen, Helmuth: Die I.G. Farbenindustrie Aktiengesellschaft (1925-1933); ein Chemiekonzern in der Weimarer Republik – Helmuth Tammen: Berlin 1978; S.295, 435.
[95] Schneckenburger, Arthur: Die Geschichte des I.G. Farben-Konzerns; Bedeutung und Rolle eines Großunternehmens – Pahl-Rugenstein: Köln 1988; ISBN 3-7609-5242-9; S.62f. — vgl auch Tammen, Helmuth: Die I.G. Farbenindustrie Aktiengesellschaft (1925-1933); ein Chemiekonzern in der Weimarer Republik – Helmuth Tammen: Berlin 1978; S.295ff.
[96] O.M.G.U.S.: Ermittlungen gegen die I.G. Farben – Hrsg. Hans Magnus Enzensberger; Verlag Franz Greno, Nördlingen 1986 (Sonderband der Anderen Bibliothek); ISBN 3-891-900-198; S.161.
[97] Schneckenburger, Arthur: Die Geschichte des I.G. Farben-Konzerns; Bedeutung und Rolle eines Großunternehmens – Pahl-Rugenstein: Köln 1988; ISBN 3-7609-5242-9; S.66.
[98] Schneckenburger, Arthur: Die Geschichte des I.G. Farben-Konzerns; Bedeutung und Rolle eines Großunternehmens – Pahl-Rugenstein: Köln 1988; ISBN 3-7609-5242-9; S.65.
[99] Eidesstattliche Erklärung von Schnitzler, Beweis-Dokument EC-439 — zitiert nach Schneckenburger, Arthur: Die Geschichte des I.G. Farben-Konzerns; Bedeutung und Rolle eines Großunternehmens – Pahl-Rugenstein: Köln 1988; ISBN 3-7609-5242-9; S.63f.
[100] BWA 13/11 Vol.2 Z.A.-Büro vom 8.6.1933; Beratungspunkte Z.A.-Sitzung vom 12.6.1933 Anlage 3, Spenden; — zitiert nach Tammen, Helmuth: Die I.G. Farbenindustrie Aktiengesellschaft (1925-1933); ein Chemiekonzern in der Weimarer Republik – Helmuth Tammen: Berlin 1978; S.303.
[101] Schneckenburger, Arthur: Die Geschichte des I.G. Farben-Konzerns; Bedeutung und Rolle eines Großunternehmens – Pahl-Rugenstein: Köln 1988; ISBN 3-7609-5242-9; S.64.
[102] Schneckenburger, Arthur: Die Geschichte des I.G. Farben-Konzerns; Bedeutung und Rolle eines Großunternehmens – Pahl-Rugenstein: Köln 1988; ISBN 3-7609-5242-9; S.65.
[103] vgl. Kapitel 4 "Die I.G.Farben im II.Weltkrieg".
[104] Tammen, Helmuth: Die I.G. Farbenindustrie Aktiengesellschaft (1925-1933); ein Chemiekonzern in der Weimarer Republik – Helmuth Tammen: Berlin 1978; S.276.
[105] Borkin, Joseph: Die unheilige Allianz der I.G. Farben; eine Interessengemeinschaft im Dritten Reich – Campus Verlag: Frankfurt/Main, New York 1979, 1990 (Bd. 1030); S. 60.
[106] Borkin, Joseph: Die unheilige Allianz der I.G. Farben; eine Interessengemeinschaft im Dritten Reich – Campus Verlag: Frankfurt/Main, New York 1979, 1990 (Bd. 1030); S. 61.
[107] Amerikanisches Nationalarchiv, Benzin Contract, 14.12.1933 — nach: Borkin, Joseph: Die unheilige Allianz der I.G. Farben; eine Interessengemeinschaft im Dritten Reich – Campus Verlag: Frankfurt/Main, New York 1979, 1990 (Bd. 1030).
[108] Borkin, Joseph: Die unheilige Allianz der I.G. Farben; eine Interessengemeinschaft im Dritten Reich – Campus Verlag: Frankfurt/Main, New York 1979, 1990 (Bd. 1030); S.62.
[109] Borkin, Joseph: Die unheilige Allianz der I.G. Farben; eine Interessengemeinschaft im Dritten Reich – Campus Verlag: Frankfurt/Main, New York 1979, 1990 (Bd. 1030); S.64.
[110] Borkin, Joseph: Die unheilige Allianz der I.G. Farben; eine Interessengemeinschaft im Dritten Reich – Campus Verlag: Frankfurt/Main, New York 1979, 1990 (Bd. 1030); S.59f.
[111] Köhler, Otto: ... und heute die ganze Welt; Die Geschichte der I.G. Farben und ihrer Väter – Rasch und Röhrig Verlag: Hamburg, Zürich 1986; ISBN 3-89438-010-1; S. 228.
[112] Borkin, Joseph: Die unheilige Allianz der I.G. Farben; eine Interessengemeinschaft im Dritten Reich – Campus Verlag: Frankfurt/Main, New York 1979, 1990 (Bd. 1030); S. 72. — vgl. Köhler, Otto: ... und heute die ganze Welt; Die Geschichte der I.G. Farben und ihrer Väter – Rasch und Röhrig Verlag: Hamburg, Zürich 1986; ISBN 3-89438-010-1; S. 226f.
[113] Borkin, Joseph: Die unheilige Allianz der I.G. Farben; eine Interessengemeinschaft im Dritten Reich – Campus Verlag: Frankfurt/Main, New York 1979, 1990 (Bd. 1030); S. 76.
[114] Borkin, Joseph: Die unheilige Allianz der I.G. Farben; eine Interessengemeinschaft im Dritten Reich – Campus Verlag: Frankfurt/Main, New York 1979, 1990 (Bd. 1030); S. 75.
[115] Borkin, Joseph: Die unheilige Allianz der I.G. Farben; eine Interessengemeinschaft im Dritten Reich – Campus Verlag: Frankfurt/Main, New York 1979, 1990 (Bd. 1030); S. 81ff.
[116] Borkin, Joseph: Die unheilige Allianz der I.G. Farben; eine Interessengemeinschaft im Dritten Reich – Campus Verlag: Frankfurt/Main, New York 1979, 1990 (Bd. 1030); S. 85.
[117] Meyers Gr.Taschenlexikon, 1987, Bd. 6, S. 303

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