Die geplante Entwicklung des von den Alliierten besetzten deutschen Reiches war in ihren wesentlichen Zügen auf mehreren Konferenzen der Alliierten festgelegt worden. Die meisten dieser Konferenzen fanden schon während des Krieges statt.

Politische Grundsätze
(...) Die Ziele der Besetzung Deutschlands, durch welche der Kontrollrat sich leiten lassen soll, sind:
Völlige Abrüstung und Entmilitarisierung Deutschlands und die Ausschaltung der gesamten deutschen Industrie, welche für eine Kriegsproduktion benutzt werden kann oder deren Überwachung. (...)
Wirtschaftliche Grundsätze
In praktisch kürzester Frist ist das deutsche Wirtschaftsleben zu dezentralisieren mit dem Ziel der Vernichtung der bestehenden übermäßigen Konzentration der Wirtschaftskraft, dargestellt insbesondere durch Kartelle, Syndikate, Trusts und andere Monopolvereinigungen.
Bei der Organisation des deutschen Wirtschaftslebens ist das Hauptgewicht auf die Entwicklung der Landwirtschaft und der Friedensindustrie für den inneren Bedarf (Verbrauch) zu legen.
Während der Besatzungszeit ist Deutschland als wirtschaftliche Einheit zu betrachten. (...)"[282]
Die hier formulierten Absichten sind stark von den Morgenthau'schen Vorstellungen geprägt. Durch einen rigorosen Einschnitt sollten alle faschistischen Tendenzen vernichtet werden.
Gerade dies aber erschien nach dem Ende des Krieges immer weniger wichtig, da im Zeichen des heraufziehenden 'Kalten Krieges' der alte/neue Feind wieder im Osten gesehen wurde.
Die so genannte 'Stunde Null' hat es allerdings für das Militär, die Politiker, die Wirtschaft, die Justiz und das Kapital nicht gegeben. Sie haben allesamt den Krieg gut überstanden und die Entwicklung 'unserer' Bundesrepublik von Anfang an tatkräftig mitgestaltet. Die Nachkriegsgeschichte der I.G. Farben ist beispielhaft für diese Kontinuität.
Um verstehen zu können, warum die Beschlüsse von Potsdam nie umgesetzt worden sind, ist es notwendig, den Blickwinkel aufzuweiten und sich die weltweiten wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen bis zum Kriegsende zu verdeutlichen.
Wirtschaftliche Entwicklung
Eines der bedeutendsten wirtschaftlichen Ereignisse in diesem Jahrhundert war zweifellos die große Depression (die so genannte 'Weltwirtschaftskrise') in den Industrienationen, die mit dem Börsenkrach von 1929 die 30er Jahre beherrschte. Diese war untrennbar verbunden mit der großen wirtschaftlichen Progression während des 1. Weltkrieges.
Immer mehr setzte sich in den Dreißiger und Vierziger Jahren bei führenden Wirtschaftstheoretikern die Erkenntnis durch, dass Marktwirtschaften (das ist eigentlich die unwissenschaftliche Bezeichnung für 'kapitalistisch arbeitende Wirtschaftssysteme') nicht von selbst in wirtschaftlich stabile Lagen geraten, sondern einem ständigen Auf und Ab unterworfen sind. Insbesondere der Oxford-Wissenschaftler Lord John Maynard Keynes postulierte, dass diese nicht notwendigerweise eine Vollbeschäftigung erreichen und forderte deshalb staatliche Eingriffe in die Wirtschaft ('fiscal policy') um Vollbeschäftigung zu erzielen (1 Keynesianismus).
Schon im 1. Weltkrieg waren durch die umfangreichen Waffenlieferungen nach Europa nahezu alle europäischen Staaten bei der USA verschuldet und dieses das reichste Land der Welt geworden.[283] Der Beginn des 2. Weltkrieges bewirkte ein Ende der Depression in den USA und eine starke Expansion der US-amerikanischen Industrie zur Deckung des in- und ausländischen Rüstungbedarfes.
Das Problem der USA zum Ende des 2. Weltkrieges war folglich nicht mehr "(...) wie man ein inadäquates Einkommens- und Beschäftigungsniveau durch vorsichtige Regulierung der Produktion verteilen könne, sondern vielmehr, wie die Wirtschaft nach dem Krieg auf den neuen, inzwischen erreichten Produktions- und Einkommenshöhen zu halten sei. 1941 schrieb der National Resources Planning Board bereits, dass das Volkseinkommen mindestens auf einem Jahresniveau von 100 Milliarden Dollar gehalten werden müsse, und bald sollte es weit darüber hinaus steigen. Eine solche Zielsetzung verlangte, dass nach dem Krieg ausländische Märkte in der Lage wären, mindestens dasselbe Exportniveau zu absorbieren, das die Vereinigten Staaten mit Hilfe der Leih-Pacht-Finanzierung[284] erhalten hatten. Die Tatsache, dass sich Großbritannien 1941 in einer schwachen und gefährlichen Lage befunden hatte und so schließlich von den Vereinigten Staaten abhängig geworden war, bot der US-amerikanischen Regierung gute diplomatische Gelegenheit zur Verfolgung dieser neuen wirtschaftlichen Ziele. In den Diskussionen, die zwischen Roosevelt und Churchill in Placentia Bay stattfanden und zu jenem rhetorisch obskuren Dokument, der Atlantik-Charta, führten, übte die Regierung der Vereinigten Staaten auf Großbritannien starken Druck aus, um 'Diskriminierung' im internationalen Handel abzuschaffen. (...) In den Vereinigten Staaten wurde multilateraler Handel nicht nur als eine Komponente der demokratischen Regierung angesehen, sondern ebenso als der einzige Weg, den durch den Krieg erzielten wirtschaftlichen Vorteil zu erhalten."[285] Kriege werden viel zu häufig als ein wirtschaftlicher Verlust verdammt, doch der Wandel in der amerikanischen Wirtschaft zwischen 1938 und 1945 stellt ein höchst eindrucksvolles Beispiel für das Gegenteil dar. "Nach Schätzungen stieg das Sozialprodukt pro Kopf in Preisen von 1929 von 794 Dollar im Jahre 1938 auf 1293 Dollar im Jahre 1945. Außer in Kanada fand in keinem anderen Land ein solcher Aufschwung statt."[286]
Um diese wirtschaftlichen Vorteile zu halten und ein Absinken der durch den Krieg endlich erreichten Hochkonjunktur zu verhindern, fand vom 1. bis 23. Juli 1944 in Bretton Woods/USA die Währungs- und Finanzkonferenz der sich gerade frisch gründenden UN statt. Hier fand ein Machtkampf zwischen den USA und Großbritannien um die weltwirtschaftliche Vorherrschaft statt, den die USA eindeutig gewonnen haben.
In diesem Abkommen wurde die Errichtung des IWF (Internationaler Währungsfonds) und der Weltbank (Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung) festgelegt[287], das die UdSSR zwar unterzeichnete, aber nicht ratifizierte. "Die Intention war, dieselbe Stabilität der Wechselkurse wie beim Goldstandard vor 1914 zu erhalten, während einige Nachteile, die der Goldstandard in Form von Rezession und Arbeitslosigkeit mit sich gebracht hatte, gemildert werden sollte."[288] Die wirtschaftlichen Zielsetzungen waren jetzt "das ausgewogene Wachstum des Welthandels, eine hohe Beschäftigung, Wechselkursstabilität und die Einhaltung geordneter Wechselkursvereinbarungen".[289] Um dies zu gewährleisten, garantierten die USA, die nach dem Kriege durch Ankauf und Rüstungsgeschäfte fast 90% der Goldvorräte der Welt besaßen[290], den An- und Verkauf der Feinunze Gold zu garantierten 35$ je Feinunze. Damit banden sie den US-Dollar als Weltleitwährung. Dieser erhielt damit eine ähnlich zentrale Rolle wie in den 20-er Jahren der 'Goldstandard'. Diese Preisgarantie galt von 1944 bis zum 15.8.1971, als die USA durch die hohen Kosten des Vietnam-Krieges nicht mehr in der Lage waren, diese Garantie aufrechtzuerhalten. Daraufhin folgte die wirtschaftliche Depression der 70-er Jahre, die oftmals lediglich der Ölkrise zugeschoben wird.
Doch "statt einer Epoche eines universell expandierenden Handels brach 1947 eine Epoche der Vorherrschaft der zwei größten Militärmächte an, die sich einander in unerbittlicher wirtschaftlicher und politischer Feindseligkeit gegenüberstanden. Im selben Jahr kamen die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung sowie der Internationaler Währungsfonds unter die faktische Kontrolle der Vereinigten Staaten und arbeiteten nicht mehr länger im allgemeinen Interesse, sondern als Instrument der Politik der Vereinigten Staaten."[291]
Politische Entwicklung
Politik ist das Ergebnis dessen, was durch militärische oder wirtschaftliche Macht und Gewalt erreicht werden kann. Folglich lassen sich die Entwicklungen während und nach dem zweiten Weltkrieg nur vor dem Hintergrund der weltweiten militärischen Lage (vgl. Kapitel 4.4) und der wirtschaftlichen Situation und Interessen verstehen.
Noch in den letzten Kriegsjahren sah es so aus, als ob die Alliierten tatsächlich auch eine 'Allianz gegen den Faschismus' repräsentieren wollten. Insbesondere die vielen deutschen Emigranten trugen wohl dazu bei, dass in den USA ein relativ starkes antifaschistisches Potential entstanden war. Auch US-Präsident Roosevelt war anscheinend dazu bereit, mit der Sowjetunion einen gemeinsamen Machtblock zu bilden, der den Faschismus in Zukunft verhindern sollte. Zumindest wurde dies noch so in den Protokollen der Kriegskonferenzen formuliert.
Aus der Atlantik-Charta, die Roosevelt und Churchill am 18.8.1941 verabschiedeten, um ein 'System kollektiver Sicherheit' zu gründen[292], entstanden in den folgenden Jahren die Vereinten Nationen, mit ihren Nebenorganisationen WHO, FAO, UNESCO und der Weltbank.[293] Die Satzung der Vereinten Nationen (UN) wurde am 26. Juni 1945 (noch 3 Wochen vor Potsdam und 6 Wochen nach Ende des Krieges in Europa) von 51 Nationen unterzeichnet.
Doch spätestens mit dem Tod Roosevelts am 12. April 1945 und dem Ende des Krieges wurde deutlich, dass die Alliierten lediglich eine 'Anti-Hitler-Koalition' gebildet hatten und es jetzt galt, die eigenen Interessen zu vertreten. Insbesondere "die USA benötigten zur Bewahrung ihres kapitalistischen Wirtschaftssystems, das den schwierigen Übergang von einer auf vollen Touren laufenden Kriegs- auf normale Friedenswirtschaft bewerkstelligen musste, um jeden Preis Absatzgebiete, Märkte, Einflusssphären, 'geöffnete Türen'. Das hatte den Zwang zu weltweiter Ausdehnung zur Folge, den Glauben, in keiner Region auf direkten politischen Zugang, militärische Präsenz und ökonomische Aktivitäten verzichten zu können"[294] (vgl. auch vorheriges Kapitel) und fürchtete nichts mehr als eine weitere Verbreitung nicht-marktwirtschaftlicher, kommunistischer Ideen und Systeme.
Der wahre Feind, vor dem sich die kapitalistische Wirtschaft fürchtete, war also nicht der jetzt besiegte Faschismus, mit dem man sich ja, wie die letzten Jahre bewiesen hatten, sehr gut arrangieren konnte, sondern der Kommunismus, der die Wirtschaftsbosse ihrer Reichtümer, die durch Sklavenarbeit und Kriegsindustrie erwirtschaftet worden waren, durch Sozialisierung und Verstaatlichung hätte berauben können. Churchill formulierte es damals offen in seinen eigenen Worten aus: "Wir haben das falsche Schwein geschlachtet".
Und der Krieg der Westalliierten gegen das Deutsche Reich war wohl auch nie ein Krieg gegen den Faschismus gewesen. Der Ostkrieg, der für die I.G. Farben unumgänglich war, da diese in ihren strategischen Überlegungen (2 Vierjahresplan) das rumänische Öl fest eingeplant hatte, stellte für sie vor allem deswegen eine Gefahr da, da er bei einem erfolgreichen Ende ein zu starkes Deutsches Reich bedeutet hätte.
Als das Deutsche Reich im September 1939 das 'unbedeutende' Polen überfiel, das mit England und Frankreich verbündet war, war dessen Befreiung den Westalliierten kaum einen Schuss Pulver wert. Den ganzen Winter 1939/40 über gab es praktisch keine Kampfhandlungen an der Westfront (sog. 'Sitzkrieg'); "offensichtlich will man nur das eigene Gewissen beruhigen - den Polen helfen kann man sowieso nicht mehr."[295]
Und auch die Nazis wollten eigentlich keinen Krieg gegen den Westen. Er war nie geplant gewesen, er ergab sich notwendigerweise aus den diplomatischen Verpflichtungen der Großmächte - der wahre ideologische Feind war immer im Osten. Nur vor diesem Hintergrund sind Hitlers zögernde militärische Aktionen gegen England (z.B. Ermöglichung des Entkommens des britischen Expeditionskorps aus Dünkirchen im Mai 1940 und der Aufschub der geplanten Landung in England im Juli 1940) zu verstehen - man wollte zukünftige Verbündete nicht zu sehr verletzen.
Die gemeinsamen antikommunistischen Interessen der Westalliierten und der Nationalsozialisten werden wohl nirgends so deutlich, wie am Fall Rudolf Hess: Als Rudolf Hess, 'Stellvertreter des Führers' am 10. Mai 1941 nach Großbritannien flog, wollte er hier eine Versöhnung an der Westfront erzielen, damit die Deutschen zunächst einmal durch Eroberung der Sowjetunion ungestört den Kommunismus aus der Welt schaffen könnten - was wohl beiden Kriegsgegnern durchaus recht gewesen wäre. Da einem so hohen Politiker der NS-Regierung nicht ohne weiteres selbstmörderischer Dilettantismus und eine fundamentale Fehleinschätzung der weltpolitischen Zusammenhänge unterstellt werden kann, muss davon ausgegangen werden, dass er reelle Chancen für seinen Vorschlag gesehen haben muss.
Eine politische Ablehnung der Nazis durch das westeuropäische Ausland war praktisch nicht vorhanden. Die eigentliche Diskreditierung der Nazis erfolgte erst durch die exzessiven Judenverfolgungen der Kriegsjahre. Gegen die aggressive rassistische Politik bis Kriegsbeginn gab es dagegen keine effektiven internationale Proteste. Die übrige 'Innenpolitik' gegen Gewerkschaften und linke Parteien wurde ebenfalls jahrelang geduldet, und die gesamte Welt machte den Nazis noch 1936 bei den Olympischen Spielen den Hof, was diese innenpolitisch gut auszunutzen wussten.
Und das störende Moment der Expansionspolitik war weniger die Besetzung der Länder an sich (da eine imperialistische Politik ja allseits betrieben wurde), sondern vielmehr der stetige politische und wirtschaftliche Machtzuwachs der sich daraus ergab und der England und Frankreich von ihren dominierenden Plätzen in der europäischen Politik verdrängt hätte. Die britische Position legte Churchill bereits im März 1936 in einer Rede im Unterhaus dar: "Bitte beachten Sie, dass die Politik Englands keinerlei Rücksicht darauf nimmt, welche Nation gerade die Herrschaft über Europa erstrebt. Es kommt nicht darauf an, ob es Spanien, die französische Monarchie, das Deutsche Reich oder das Hitler-Regime ist. (...) Deshalb erscheint es mir so wichtig, dass wir wieder einmal alle Kräfte Europas zusammenfassen, um, wenn nötig, eine deutsche Herrschaft zu vereiteln..."[296]
Dies bedeutete nichts anderes, als dass der lange Zeit moralisch geleitete Krieg (gegen Faschismus, Judenvernichtung und Imperialismus) posthum in einen (wirtschafts)-ideologisch geführten Krieg (gegen den Kommunismus) umgeleitet werden musste.
Churchill selbst sah schon im Mai 1945 "mit Entsetzen der Zeit entgegen, da es - nach dem Abzug der amerikanischen Truppen - zwischen den weißen Schneefeldern Russlands und den weißen Klippen von Dover nichts mehr gäbe, was die rote Armee aufhalten könnte" und prägte schon am 5.3.1946 in seiner Rede in Missouri den Begriff des 'Eisernen Vorhangs' den die Sowjetunion von Stettin bis Triest heruntergelassen habe.[297]
Nach dem Tode Roosevelts konnte sich unter dem außenpolitisch unerfahrenen Präsidenten Truman eine Führungs- und Beratergruppe in der neuen amerikanischen Administration durchsetzen, deren antikommunistische und antisowjetische Haltung bekannt war, und die die vorgesehene konstruktive Politik einer fairen Beteiligung der Sowjetunion an der Neuordnung der Weltpolitik sofort zu hintertreiben begann.[298]
Nach Verkündung der Truman-Doktrin[299] am 12.3.1947 und des Marshall-Planes am 5.6.1947 war schließlich die Allianz der Alliierten endgültig zerbrochen. Amerikas 'Containment Politik', die neue 'Politik der Eindämmung' (...des Kommunismus; Anm. d. V.) war öffentlich propagiert und der 'Kalte Krieg' erklärt worden.
Mit dem militärischen Sieg und der Tatsache, dass die US-Wirtschaft sich durch Kriegsproduktion und Rüstungsgeschäfte in einer großen Progression an die Weltspitze gewirtschaftet hatte, waren die USA die einzigen Gewinner dieses Weltkrieges. Sie hatte 'lediglich' 260.000 Tote zu beklagen, besaß ein unzerstörtes Wirtschaftspotential und der gesamte pazifische Raum war konkurrenzlos geöffnet worden. Die Sowjetunion dagegen wies mit über 20.000.000 Toten (!) mehr als ein Drittel aller Toten des Krieges auf, das Land war durch den Krieg großflächig zerstört worden. Das Deutsche Reich hatte zum Vergleich 'nur' 5.000.000 Tote, die Städte waren zerbombt, aber die Fabriken noch relativ unzerstört (gemäß den alliierten Bombardierungsplänen der 'Demoralisierung') - da diese ja noch gebraucht wurden.[300]
So hatte das US-amerikanische Kapital durch den Krieg einen weltweiten wirtschaftlichen, militärischen und somit auch politischen Spitzenplatz erreicht, und diese "neue Weltordnung" galt es nun noch zu festigen und zu verteidigen.
Gefestigt wurde er durch Errichtung eines Weltwirtschaftssystems gemäß den Verhandlungen von Bretton Woods (vgl. Abschnitt zur wirtschaftlichen Entwicklung) wie es den Wünschen der amerikanische Wirtschaft entsprach und welches durch Gründung der Vereinten Nationen auch noch zusätzlich in einen weltpolitischen Rahmen gesetzt wurde. (Zwar ist die Weltbank formell nur eine Nebenorganisation der Vereinten Nationen, doch bleibt die Frage offen, welche dieser beiden Organisationen wohl wessen geistiges Kind ist.)
Und verteidigt werden konnte dieser Spitzenplatz ab dem 6. August 1945 mit der Atombombe. Das 'Manhattan Projekt', 1943 unter Roosevelt begonnen, um die Bombe noch vor und gegen Nazideutschland einsetzen zu können, wurde unter Truman erfolgreich beendet und dieser ließ sie, gegen diverse Widerstände über der japanischen Stadt Hiroshima abwerfen, um der Welt - insbesondere der Sowjetunion - zu demonstrieren, welche militärische Macht ab jetzt in den Händen der USA lag.
Vor diesem Hintergrund lässt sich nun eher verstehen, warum sich in der konkreten Politik im besetzten Deutschland eine Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen mit unterschiedlichen Intentionen innerhalb der amerikanischen Militärregierung entwickelte.
Die Grundlage der gemeinsamen alliierten Politik im besetzten Deutschland sollte das Potsdamer Abkommen sein (vgl. Abschnitt 5.1.1); ihm entsprechend "wird die höchste Regierungsgewalt in Deutschland durch die Oberbefehlshaber der Streitkräfte der USA, Großbritannien, der UdSSR und Frankreichs nach den Weisungen ihrer entsprechenden Regierungen ausgeübt, und zwar von jedem in seiner Besatzungszone, sowie gemeinsam in ihrer Eigenschaft als Mitglieder des Kontrollrates in den Deutschland als Ganzes betreffenden Fragen."[301]

Da Bernstein und seine Mitarbeiter auch weiterhin unabhängig von der militärischen Kommandostruktur mit ihrem Finanzminister Morgenthau in Verbindung blieben, war neben dem Kriegs- und Außenministerium ein dritter Planungspartner für die amerikanische Besatzungspolitik hinzugekommen, den die beiden anderen nur ungern tolerierten.
Denn Morgenthau und sein Finanzministerium bekamen auf diese Weise unzensiert mit, was in den Ländern geschah, die die Westalliierten seit 1942/43 besetzten: Nämlich "wie ihr Außenministerium im Zusammenspiel mit den Engländern statt der Befreiung vom Faschismus klerikal-royalistische Schilderwechsel organisierte."[302] Da ähnliches auch für Deutschland zu erwarten war, ahnte Morgenthau schon im Juni 1944: "Die deutsche Kriegsmaschine hat schon Pläne fürs Überleben (...) Wahrscheinlich werden uns die Deutschen Hitler und die ganze Nazibande anbieten, um bessere Friedensbedingungen herauszuschlagen. Wir lassen uns aber nicht bestechen. Unsere Bedingungen heißen bedingungslose Kapitulation."[303] "Je mehr ich über dieses Problem nachdenke (...), desto klarer scheint mir, dass das Motiv der meisten, die gegen ein schwaches Deutschland opponieren (...), einfach ein Ausdruck ihrer Furcht vor Russland und dem Kommunismus ist. Es ist die zwanzig Jahre alte Vorstellung vom 'Bollwerk gegen den Bolschewismus' - einer der Faktoren, der uns den jetzigen Krieg beschert hat."[304] Morgenthau, Bernstein und ihre MitarbeiterInnen gehörten wohl zu denjenigen, die in diesem Krieg auch einen Kampf gegen den Faschismus selbst sahen. Die diskreditierende Betrachtungsweise des 'Morgenthau-Planes' als Bemühungen, Deutschland zu einem Agrarstaat zu 'degradieren', war wohl eher eine Folge der verzerrenden Maske des Kalten Krieges als der Realität.
"Die amerikanischen Linkskeynesianer hatten ein genaues Bild von der volkswirtschaftlichen Situation Deutschlands gegen Kriegsende. Sie gingen davon aus, dass der Rüstungsboom der NS-Zeit die strukturellen Ungleichgewichte gigantisch verschärft hatte: Einer bankrotten Landwirtschaft sowie unterkapitalisierten Konsumgüterindustrien und Bauwirtschaft standen überkapitalisierte Großunternehmen der Chemie-, Elektro- und Stahlindustrie gegenüber, die sich die volkswirtschaftlichen Ressourcen und Masseneinkommen unbeschränkt angeeignet hatten. Dieses katastrophale Ungleichgewicht wollten sie (die Linkskeynesianer) abbauen, und nur hierin sahen sie Chancen für eine dauerhaft abgerüstete Friedenswirtschaft."[305]
In der Liquidierung des I.G. Farben-Trusts als exemplarischen Fall sollte der Morgenthau-Plan seine Stichhaltigkeit beweisen.
Aber solche Ideen hatten auch mächtige und entschiedene Gegner. Die US-amerikanische Wirtschaft brauchte eine florierende deutsche Industrie, um sich auf ihrem hohen Niveau zu halten (vgl. 5.1.2), und diese Interessen waren bestens vertreten: zum einen in den USA durch das Außen- und das Kriegministerium und zum anderen im besetzten Deutschland durch deren Mitarbeiter in der Militärregierung und ihrer Wirtschaftsabteilung (Economic Division).
Die Wirtschaftsabteilung war durchweg mit Offizieren besetzt, die in Friedenszeiten ihren Geschäften an der Wall-Street und in den Konzernetagen der Elektro-, Auto- und Stahlindustrie nachgingen. Sie wurde von dem Investmentbanker William H. Draper geleitet.
Robert Murphy war in seiner Eigenschaft als politischer Berater Eisenhowers (und später Clays) Bernstein gleichrangig und ihm ein politischer Intimfeind. Ein leitender Offizier der 'Industry Branch' (eine Unterabteilung der 'Economic Division') fragte schon im Sommer 1945 ganz ungeniert: "Wie kann man von mir erwarten, dass ich die deutschen Fabriken wieder in Gang bringe, wenn man mir nicht erlaubt, Nazis und deutsche Kartelle einzusetzen?"[306] Und so frei sprachen nur jene, die wussten, dass sie starke Verbündete im Rücken hatten; wie zum Beispiel Lucius D. Clay, oberster Besatzungsoffizier und Eisenhowers Stellvertreter, "den nicht nur die Morgenthau-Umgebung als 'Faschist' bezeichnete." (Truman einer Bemerkung Kilgores zustimmend)[307]
So standen sich am Ende des Krieges die Lager des Finanzministeriums (Morgenthau, Bernstein, die 'Finance Division' und die I.G. Farben-Ermittlungsgruppe) und die des Außen- und des Kriegsministeriums (Eisenhower/Clay, Murphy, Draper, die 'Economic Divison' und der 'Industry Branch') gegenüber und wollten jeweils ihre eigenen Ziele umsetzen.